Heimatmuseum Vilsbiburg   ∙   Kröninger Hafnermuseum

Museum bei langer Einkaufsnacht am 11.11.2016 geöffnet – Lesungen zur Sonderausstellung

Da waren sie noch guter Dinge und vor allem unverletzt: Georg Eder (rechts) und sein Kamerad Johann Baptist Setz, vulgo „Zuckerbacher“ aus Jesendorf. (Foto: Archiv Heimatmuseum Vilsbiburg)

Einzelschicksale in den Weltkriegen

 

 

Vilsbiburg. Gekämpft wurde zwar nicht damals in der engeren Heimat. Und doch hatte der I. Weltkrieg, von vielen auch als „Urkatastrophe  des 20 Jahrhunderts“ bezeichnet, gravierende Auswirkungen auf das Land zwischen Isar und Rott. Beispielsweise trug der Waffengang zum Niedergang des Kröninger Hafnerhandwerks bei, das über Jahrhunderte Marktführer in dem weiten Gebiet zwischen der nördlichen Oberpfalz und Südtirol, zwischen Augsburg und Linz war. Viele von denen, die das Handwerk hätten weiterführen können, blieben auf den Schlachtfeldern, gerieten in Gefangenschaft oder wurden so schwer verwundet, dass sie ihren Beruf nicht mehr ausüben konnten.

 

Markantes Beispiel dafür ist Georg Eder aus Jesendorf. Bei einem Flammenwerferangriff am Ende des letzten Kriegsjahrs in Frankreich 1918 erlitt er schlimme Verletzungen, die den Verlust  beider Ohrmuscheln, Verbrennungen im Gesicht und an den Händen nach sich zogen. Sein Bruder Sebastian stellte um 1930 als letzter Hafner auf dem Kröning seine Werkstatt ein. Josef Wirthenson, in den späten 1920er Jahren Lehrer in Leberskirchen, musste das Grauen der Sommeschlacht erleben. In seinen Lebenserinnerungen schildert er die brutalen Auswirkungen des ersten industriell geführten Krieges mit einer Direktheit, die auch noch 100 Jahre später unter die Haut geht.

 

Unbestreitbar hängt in der Geschichte alles mit allem zusammen. So sprach der frühere Bundeskanzler Helmut Schmidt gerne vom „Dreißigjährigen Krieg im 20. Jahrhundert“. Er wollte damit zum Ausdruck bringen, dass der II. Weltkrieg eine direkte Folge des ersten war. Daher beleuchtet der Heimatverein an diesem Abend auch das Jahr 1945 anhand der Erinnerungen des Guardians Aurelian Kugler von Maria Hilf und der Schilderung „…und täglich ein Löffel Lebertran“ zum Andenken an die von den Amerikanern organisierten Schulspeisungen. Dies alles wird am kommenden Freitag in zwei kurzen Lesungen vermittelt, die Mitarbeiter des Heimatvereins für 19 und 20 Uhr vorbereitet haben.

 

Das Museum steht  an diesem Abend übrigens von 18 bis 22 Uhr zur Besichtigung offen. Das Schöne daran ist der zur langen Einkaufsnacht passende freie Eintritt. Geld ausgeben kann man allerdings trotzdem. Nämlich wenn man sich die Museumsschrift mit nach Hause nimmt, in der Peter Käser die Ereignisse der Jahre 1914 bis 1918 anhand vieler Bilder und Dokumente sehr anschaulich schildert.

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