Heimatmuseum Vilsbiburg   ∙   Kröninger Hafnermuseum

09/21/16

Der Hafner Georg Eder als Beispiel für viele Opfer

- Der Hafner Georg Eder aus der Hafnerstadt Jesendorf 1915 als Rekrut in Passau
- Georg Eder (hinten 4. von rechts) mit Ohrenverband in einer Verwundetengruppe


I. Weltkrieg und die Folgen

Georg Eder wurde am 29. August 1895 als Sohn der Hafnermeistereheleute Georg und Therese Eder in Angersdorf, Gde. Kröning geboren. In der elterlichen Werkstatt in Jesendorf erlernte er das Hafnerhandwerk. Er sollte dort die Hafnerei übernehmen. Sein Bruder Sebastian war übrigens der letzte im Kröning praktizierende Hafner, Seine Werkstatt gab dieser mit großem zeitlichem Abstand zu schon vorher geschlossenen Werkstätten um 1935 auf.

Nach der im Bayerischen Hauptstaatsarchiv (Kriegsarchiv)  in München befindlichen Kriegsstammrolle wurde Georg Eder am 23. Januar 1915 als Rekrut zum 16. Bayerischen Infanterie-Regiment in Passau eingezogen und schon am 1. August 1915 rückte er ins Feld nach Russland und weiter nach Serbien ein. In den Jahren 1916 und 1917 nahm er laut den Aufzeichnungen in der Kriegsstammrolle an Einsätzen in Frankreich teil, wobei er im Januar 1917 bei einem Handgranaten-Unfall schwer verletzt wurde. Nach mehrmaligen Versetzungen zu unterschiedlichen Einheiten nahm er im letzten Kriegsjahr 1918 an Kämpfen an der Somme, der Aisne und Vesle teil sowie an den Stellungskämpfen an der sog. Siegfried-Hunding-Brunhild-Linie. Im Juli 1918 wurde ihm das Eiserne Kreuz II. Klasse verliehen. Bei einem Flammenwerferangriff am Ende des letzten Kriegsjahrs in Frankreich 1918 hat er schlimme Verletzungen erlitten, was den Verlust  der beiden Ohrmuscheln, Verbrennungen im Gesicht und an den Händen nach sich zog. Nach seiner offiziellen Vermisstenmeldung am 25. Oktober 1918 konnte sein Aufenthalt in französischer Gefangenschaft in Montauban, Dep. Tarn-et-Garonne in Südfrankreich festgestellt werden. Belegt ist sein dortiger Aufenthalt im „Hopital“ (Krankenhaus) durch einen mehreren Seiten umfassenden Patientenausweis, wonach er vom 28. Oktober 1918 bis 30. März 1919 behandelt wurde. Von ihm hat sich auch ein Essens-„Bon“ des „Dépôt des Prisonniers de Guerre Montauban“, also Gefangenenlager, über 25 Centimes erhalten. Im Gefangenenlager Montauban befanden sich zeitweise bis zu 1500 deutsche Kriegsgefangene.

 

Nach seiner Entlassung aus der Gefangenschaft sollte er sich, aufgefordert von der Fürsorgestelle des Amtsbezirks Vilsbiburg für Kriegsbeschädigte, am 10. September 1920 bei der Porzellanfabrik Firma Dressel, Kistler & Co. in Rosenau bei Passau zu einem Vorstellungsgespräch melden. Vermutlich ist es aufgrund seiner Kriegsverletzungen zu keinem Arbeitsverhältnis gekommen. Auch in der elterlichen Werkstatt in Jesendorf, die sein älterer Bruder Sebastian vom Vater Georg Eder übernommen hatte, war an eine Arbeitsaufnahme im erlernten Beruf nicht mehr zu denken. Wohl als Eingliederungshilfe für Kriegsbeschädigte besuchte er dann vom 7. März bis 11. Mai 1921 Kurse in der Oberbayerischen Invalidenschule an der Mercystraße 2 in München. Als letztes über Georg Eder erhaltenes Dokument hat sich ein Ausmusterungsschein vom 5. August 1943 des Wehrbezirkskommandos Landshut und der Kreispolizeibehörde Vilsbiburg erhalten, wonach er mit dem Vermerk als „völlig untauglich zum Dienst in der Wehrmacht“ aus dem Wehrpflichtverhältnis ausgeschieden ist. Georg Eder war ein geselliger Mensch. Besonders lag ihm die Kameradschaft der Kriegsteilnehmer am Herzen. Beim Veteranenverein Wippstetten und dem Vdk-Ortsverband Jesendorf war er lange Jahre Mitglied. In Gesellschaft gab er in der Gefangenschaft erlernte französische Ausdrücke zum Besten. Er starb am 22. Februar 1964 im Krankenhaus Vilsbiburg. Georg Eder hat während seines Kriegseinsatzes viel mit seiner Schwester Johanna, seinem Bruder Sebastian und den Eltern per Postkarten korrespondiert, die sich in den von der Schwester angelegten Alben im Heimatmuseum Vilsbiburg erhalten haben.

Als Nachtrag darf noch angefügt werden, dass Georg Eder einer der Kröninger Hafnergesellen und Hafnermeister war, die aufgrund von im I. Weltkrieg erlittenen Verletzungen den erlernten Beruf nicht mehr ausüben konnten. Gleichwohl sind auch manche der Hafner im Krieg gefallen. Belegt durch erhaltene Sterbebilder sind dies weiter Franz Xaver Kaspar aus Onersdorf, Joseph Strobl aus Kirchberg, Joseph Aigner aus Oberndorf, Michael Freimuth aus Jesendorf, Alois Sandner aus Gaiberg, Alois Richter aus Kühbach, Sebastian Häring aus Pattendorf sowie Alois, Joseph und Georg Eggl aus Stürming. Im Jahr 1918, zunächst als vermisst, dann als gefallen gemeldet wurde, Jakob Kaindl aus Oberkirchberg. Dieser relativ zahlenmäßig hohe Anteil von Gefallenen eines regional betriebenen Handwerks, mag neben anderen  Kriterien mit dazu beigetragen haben, dass es nach 1918 mit dem Kröninger Hafnerhandwerk kontinuierlich zu Ende ging.

Lambert Grasmann

 

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