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Ziegelpatscher und Ziegelbrenner im Vilsbiburger Land

Ein Ziegel für sich allein ist ein Nichts: Im besten Fall einer von vielen Dach- oder Mauersteinen, die auf einer Baustelle auf die Weiterverarbeitung warten, im ungünstigsten stellt er wieder aufzubereitenden Bauschutt dar. Wenn man die Erzeugnisse der Ziegelpatscher und Ziegelbrenner jedoch in einer gut aufgestellten Museumsabteilung erzählen lässt, wissen sie plötzlich von zahlreichen interessanten Begebenheiten zu berichten: Von dem Ziegelprivileg beispielsweise, das Adel und Klöster, Städte und Märkte bis ins 18. Jahrhundert hinein mit Zähnen und Klauen verteidigten, weil es ihnen ungefährdete Einnahmequellen sicherte, jedoch den Verfall der Bausubstanz besonders auf dem Land nach sich zog und zu einer empfindlichen Holzknappheit führte. Vom Bauboom des 19. Jahrhunderts, der Ziegelstädel aus dem Boden schießen ließ und die wohl ersten Gastarbeiter in größerer Zahl nach Niederbayern brachte. Jahr für Jahr kamen ganze Familienverbände aus dem Friaul, anfangs zu Fuß und später mit der Bahn, um in den hiesigen Ziegelfabriken ihr Brot zu verdienen.

Die neueste Abteilung unseres Museums beschreibt so auch die Wurzeln der Partnerschaft zwischen Buia in Italien und Vilsbiburg. Weil es gelungen ist, die Namen von mehr als 2.300 italienischen Ziegelarbeitern allein im Vilsbiburg Land zu dokumentieren, ist diese Ausstellung für unsere Freunde vom Südrand der Alpen auch eine Fundgrube für ihre Familienforschung.

Die Gliederung:

  • Ziegel und Dachziegel
  • Ziegelbrennen ein obrigkeitliches Privileg
  • Lockerung des Ziegelmonopols wird erkennbar
  • Ziegel für Jedermann
  • Landkarte mit Herkunftsorten friaulischer Ziegelarbeiter
  • Zieglerarbeit: Vom Lehmabbau bis zum Brennen
  • Herkömmliche Feldziegelöfen
  • Vom nachmittelalterlichen Handbetrieb zur Ziegelfabrik
  • Vilsbiburgs Ziegeleien im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts

Als Begleitheft wurde die „Vilsbiburger Museumsschrift“ Nr. 6 veröffentlicht, in der alle Tafeltexte in deutscher und italienischer Sprache enthalten sind. Darüber hinaus vermittelt ein Anhang zusätzliche interessante Informationen.

Auch die „Vilsbiburger Museumsschrift“ Nr. 1, mit dem Titel „Ziegelpatscher und Ziegelbrenner im Vilsbiburger Land“, die zur gleichnamigen Sonderausstellung im Jahr 1997 erschienen ist, ist noch in einer Restauflage erhältlich.

Friaulische Ziegelarbeiter in Bayern um 1900
Hierarchie in der Ziegelei. Erkennbar ist die hierarchische Struktur in einer Ziegelei: Von rechts: Ziegeleibesitzer („padrone“), friaulischer Akkordant („capuzzàt“), Ziegelarbeiter („stampatore“), kindliche Arbeitskraft („muli“)
Lehner'sche Ziegeleien am Bahnhof und an der Landshuter Straße in Vilsbiburg um 1900
Plan zum Bau eines Ringofens, der um 1900 eine technische Innovation darstellt
Tonabbau für die Ziegelei Jesendorf um 1955
Übersichtstafel mit Arbeitsgeräten der Ziegler und unterschiedlichen Dachziegeln
Ziegelarbeiter am Schlagtisch, Wegtrager mit Model, Anfahrt mit Lehm gefüllter Schubkarre um 1910

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