Heimatmuseum Vilsbiburg   ∙   Kröninger Hafnermuseum

Sonderausstellung „…mich adelt die Kunst“ –
Leben und Werk des Landschaftsmalers Eduard Schleich d. Ä. (1812 – 1874)

Vorstellung des Katalogs als Band 14 der Vilsbiburger Museumsschriften


Der Heimatverein stellt heute erneut eine Museumsschrift vor, und damit seit 1997 die bereits vierzehnte Ausgabe in dieser Reihe. Zugrunde dieser Publikationen  lagen meistens in unserem Heimatmuseum veranstalteten Sonderausstellungen, wobei nicht immer begeleitende Kataloge mit erläuternden Aufsätzen erschienen sind. Vor allem in der Zeit nach dem Neuanfang des Heimatvereins und der Neuaufstellung der Museumsbestände im Jahr 1973, war dies schon aus finanziellen Gründen nicht möglich. Wir konnten uns dazu jeweils lediglich einen Ausstellungsprospekt leisten. Erste und wertvolle Hilfestellung hierzu ermöglichte der Museumspfleger aus Dingolfing Fritz Markmiller, der in seiner historischen Schriftenreihe „Der Storchenturm“ und in den Sonderheften dem Heimatverein Vilsbiburg die Möglichkeit eröffnete, bei Sonderausstellungen in unserem Museum Kataloge zu veröffentlichen. Ich denke hier an die Sonderschauen „Kröninger Hafner“ 1976/77, „Wallfahrt im Volksbarock“ 1982,  dann die Ausstellungen „Keramische Raritäten aus dem Kröning“ 1984, „Kachelöfen“ 1989, „Backmodel“ 1990 um nur einige wichtige zu nennen. Im Übrigen haben wir seit 1975 über 40 Sonderausstellungen veranstaltet.

Nach dem Motto – so ein Zitat aus Goethes Faust I -
„Denn was man schwarz auf weiß besitzt, kann man getrost nach Hause tragen“ –
hat dann der Heimatverein ab 1997 zu seinen Sonderausstellungen professionell gestaltete Kataloge mit begleitenden Aufsätzen herausgegeben, die auch in der Fachwelt Aufmerksamkeit finden.

In unserer neuen Museumsschrift Nr. 14 zur Ausstellung „…mich adelt die Kunst. Leben und Werk des Landschaftsmalers Eduard Schleich des Älteren“ beleuchtet Peter Barteit mit dem Beitrag „Zeitzeichen im Leben von Eduard Schleich d.Ä.“ die Lebensstationen, beginnend mit dessen Geburt im Schloss Haarbach am 14. Oktober 1812, ein Ereignis, das dort beileibe nicht den Beifall aller Familienangehörigen gefunden haben dürfte. Weiter wird der Weg Schleichs über seine Zeit zunächst in München, über seine Wanderungen im Voralpenland und den Reisen beschrieben, die ihn mit Malerkollegen u.a. mit Carl Spitzweg, Christian Morgenstern bis nach Italien, nach Paris, London und Belgien führten. Nicht zuletzt führt Peter Barteit die zahlreichen Ehrungen Schleichs und die Berufung als Professor an der Akademie der Bildenden Künste in München sowie als Leiter der Kunstausstellungen in München an.

Peter Käsers Beitrag vermittelt mit großer Sachkenntnis und Ausführlichkeit die Genealogie und Familienabstammung Eduard Schleichs d.Ä., die in Haarbach bis in die 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts zurückreicht. Kritisch geht er mit einer zeitgenössisch geäußerten Behauptung um, nach der der Schlossbesitzer und Vater Eduard Schleichs nach 1800 auf die Gant gekommen sei, also vor dem Ruin gestanden haben soll, was jedoch bei einem Grundbesitz von 300 Tagwerk und 110 Tagwerk Waldung eher unwahrscheinlich erscheint. Peter Käser wertet auch das bereits 1864 von Eduard Schleich abgefasste und unmittelbar nach seinem Tod im Jahr 1874 eröffnete Testament aus und bringt damit den Sohn und Haupterben Eduard den Jüngeren ins Spiel.

Eine beachtliche Fleißarbeit stellt der Beitrag von Ludwig Lohr dar, der in kriminalistischer Kleinarbeit vor allem in Münchner Archiven den Wohnsitzen und Aufenthaltsorten Eduard Schleichs des Älteren nachgegangen ist. Die Nachweise beginnen mit dessen Besuch des katholischen Seminars in Amberg von 1823 bis 1827, sie nennen auch die Einschreibung in der Akademie der Bildenden Künste in München, die zunächst nicht vom Erfolg gekrönt war. Ludwig Lohr weist dann ab 1835 alle Wohnaufenthalte, so zum Beispiel erstmals in der Frauenstraße Nr. 1 in München über 3 Stiegen oder in der Blumenstraße Nr. 9 später Nr. 5 nach (Gasthaus  „Zum Straubinger Hof“), wo der hier als Landschaftsmaler, Maler oder Kunstmaler, dann königlicher Professor und Mitglied der Akademie bezeichnete Schleich mit seiner Schwester, der Putzmacherin Xaverie oder Xaveria lebte.  

Dr. Helmut Kronthaler bringt uns in seinem Beitrag „An der Schwelle zur Moderne“ die Meisterschaft Eduard Schleichs des Älteren näher. Er erläutert aber auch,
warum die Landschaftsmalerei gerade im 19. Jahrhundert zu einer neuen Blüte kam, nämlich in Folge des aufkommenden Tourismus, und weil sich die vornehmen Sommerfrischler gerne ein Andenken von der Gegend mit nach Hause nehmen wollten. Helmut Kronthaler arbeitet auch klar und übersichtlich eine Unterteilung der drei Schaffensperioden Schleichs heraus, die zwar auch Wichmann schon ansatzweise behandelt hat. Anhand dieser Schilderung ist es möglich, die zum größten Teil nicht datierten Werke zeitlich einzuordnen.

Peter Barteit hat einen wesentlichen Teil der 346 Seiten umfassenden und nur maschinenschriftlich vorliegenden Dissertation von Prof. Dr. Siegfried Wichmann aus dem Jahr 1951 über „Das künstlerische Schaffen von Eduard Schleich dem Älteren“ zusammengestellt. Wichtige Bilder Schleichs, die zum besseren Verständnis über dessen künstlerisches Schaffen und den Stationen seines Werdegangs beitragen, konnten in die Museumsschrift aufgenommen werden.

Abschließend wäre noch festzuhalten, dass das Thema Eduard Schleich der Ältere immer noch nicht ausgereizt erscheint. So liegt bei Prof. Wichmann in dessen Archiv noch eine Fülle von unbehandelten und auch unveröffentlichten Bildern Schleichs, wovon Peter Barteit und ich uns anlässlich eines Besuchs bei ihm überzeugen konnten. Prof. Wichmann spricht deshalb von einer weiteren Dissertation über das Thema Schleich, doch inzwischen ist er über 90 Jahre alt.

Lambert Grasmann
Museumsleiter


Info:
Die Museumsschrift umfasst 153 Seiten und 85 größtenteils farbige Abbildungen. Er ist zum Preis von 16,80 Euro im Buchhandel, an der Kasse des Heimatmuseums Vilsbiburg oder im Internet unter der URL www.museum-vilsbiburg.de erhältlich. ISBN 978-3-9811826-8-2



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